Kunstpartner Kalender 2014

Dem Rhythmus sein Bruder

Bruderliebe?

Wer ist dem „Rhythmus sein Bruder“? Vielleicht der Rheumatismus, der einem schmerzhaft durch die Glieder zuckt – und vom Wortlaut her so ähnlich klingt? Oder das Rhinozeros. Es trampelt so stark, dass die Erde erbebt? Oder das „Rümpeltum“ – ein Verein für Freiheit mit Schönem und Macken?

Tja, den Rhythmus kennt er nicht: der Violinist namens Karl Valentin im Orchester. Und er scheut sich nicht, der Dirigentin Liesl Karlstadt von dieser Unkenntnis – so sie denn eine ist – Mitteilung zu machen. Aber: Er kennt „dem Rhythmus sein Bruder“… Das ist doch was. Der Rhythmus hat also einen Bruder. Wer das wohl sein mag? Die Hinweise im ersten Absatz sind dringend ergänzungsbedürftig.

Klar: Rhythmus ist ein Begriff aus der Musik. Er hängt vom Takt ab, der vorgegeben ist und der den Rhythmus bestimmt – meistens ist das so in unserer abendländischen Musik. „Links, zwo, drei, fünf…“. Wer sich dem nicht anpasst, ist unrhythmisch, gar „taktlos“. Im Orchester oder der Kammermusik ist er damit unkompatibel und fliegt raus. Aber wer will sich schon immer anpassen?

Was hat es also auf sich mit einer Kunstform, die Anpassung, die Aufgabe jeder individuellen Äußerung geradezu fordert? Die Antwort heißt: Sie kann dennoch – oder gerade deshalb – ein großartiges Gut sein. Wenn in der Musik viele vielstimmig „eins“ werden, sich der Idee des Komponisten unterwerfen und versuchen, ihr gerecht zu werden, können herrliche musikalische Höhenflüge entstehen – für die Musiker genauso wie fürs Publikum.

Aber: Es geht auch anders. Mit „dem Rhythmus sein‘ Bruder“ – so ­nehmen wir es einfach mal an – wird’s „unrhythmisch“. Nicht aber ­„unmusikalisch“. Die Musik braucht das eine – die Struktur – ebenso wie das andere – das Freie, das „Taktlose“. Der Rhythmus und sein ­Bruder – sie gehören eben zusammen. Und so gewinnt Karl Valentins flapsige ­Bemerkung für uns eine Bedeutung, die der Komiker allenfalls unbewusst im Sinn hatte.

Gleiches gilt übrigens für die bildenden Künste. Vielfältigste Struktur­elemente weisen allein unsere zwölf Kalenderbilder auf. Dennoch: Eine Solistin, ein Solist schafft hier Kunstwerke häufig nach eigenem ­„Rhythmus“, im Takt höchst individueller Form- und Farbvorstellungen. Und kommt damit dem Bruder recht nahe.

Kein Zweifel: Nicht nur Karl Valentin, alle Künstler, die Bleibendes schaffen, kennen „dem Rhythmus sein‘ Bruder“ persönlich. Sie ratschen, streiten oder schweigen mit ihm. Und verraten uns „Sterblichen“ keinesfalls seine Adresse. Der Rhythmus aber kennt sie: Sie können eben nicht ohne einander. Wir nennen das – Bruderliebe …

Theo Geißler

Schwesternliebe

„Spezialisierung“ heißt ein Zauberwort unserer modernen Gesellschaft. Es gilt das Prinzip der Arbeitsteilung– auch zwischen den Künsten. Die einen schreiben oder spielen Musik, die anderen malen, errichten Skulpturen oder schaffen Bleibendes mit anderen Materialien. In einer Zeit der – auch künstlerischen – Überproduktion, der Überflutung mit Eindrücken, ­Farben, Klängen, Worten bleibt, so scheint es, gar nichts anderes übrig als Grenzlinien zu achten, sie nicht zu überschreiten, im eigenen „Haus“ zu verweilen. Selbst diejenigen, die über die Künste sprechen: Wissenschaftler, Kritiker, Pädagogen bleiben gerne bei ihren Leisten, schauen eher selten über den Tellerrand.

Einst gab des den Begriff des „Gesamtkunstwerks“. Bei Richard Wagner spielt er eine zentrale Rolle. Ein Kunst-Werk aus allen „Schwester­künsten“ schwebte ihm vor. Sein Ziel: die Vollkommenheit des Dramas. Seine Präferenz: die Musik, der sich alle anderen unterordnen sollen. Diese Idee hat offenbar in unserer – auch durch zahllose Institutionen – stark strukturierten Kunstwelt keinen Platz mehr.

Kunst und Musik: Wahrlich zwei unterschiedliche Schwestern. Der ­Genuss der einen ist vergänglich, im Augenblick verhaftet. Man hört die Klänge – und schon ist der Moment des Erlebens vorbei. Die Kunst ­dagegen bleibt, sie ist verlässlich. Ist es so einfach? Auch das Werk der bildenden Kunst verändert sich: das Licht, die Zeit, die Position und die Stimmung des Beobachters machen es lebendig, flüchtig. Die Musik ­dagegen hat auch „Bleibendes“: Sie wird analog oder digital konserviert – und niedergeschrieben. So eine Original-Partitur des Komponisten kann – heute genauso wie früher – schon ein eigenständiges Kunstwerk sein.

Und natürlich vereinen sich die Schwestern. Ganz ohne Begegnung, ohne Grenzüberschreitung geht es eben nicht. Zahlreiche Künstler haben musi­kalische Motive, Musiker, Instrumente in Bilder umgesetzt. Man denke an Paul Klee, Marc Chagall, Pablo Picasso. Oder an die Künstlerinnen und Künstler, die diesen Kalender gestaltet haben – und die beweisen, wie vielfältig die bildende Kunst der Musik gerecht werden kann. Umgekehrt denkt man sofort an Mussorgsky und seine „Bilder einer Ausstellung“: die großartige Musikalisierung einer schillernden Bilderwelt.

Und häufig suchen sich die Schwestern die gleichen Freunde: Mythen, aus denen Musik wie bi++ldende Kunst immer wieder geschöpft haben, und es bis heute tun, zum Beispiel den Faust oder Orpheus, den Sänger. Oder immer wiederkehrende Motive wie die Liebe, den Krieg, den Tod.

Trotz Arbeitsteilung: Kunst und Musik treffen sich heute in vielfachen ­Zusammenhängen. Im Jargon der modernen Marketing-Ästhetik würde man von Vernetzung sprechen. Wir sprechen lieber von – Schwesternliebe …

Barbara Haack

KünstlerInnen

H. E. Erwin Walther

Barbara Haack und Theo Geißler

Michael Pickl

Katja Barinsky

Ludwig Hirtreiter

Zita Habarta

Isabelle Roth

Peter Dorn

Stefan Göler

Irene Fastner

Tom Kristen

Katja Fischer

Ute Haas

Martin Herler

Beteiligte

Herausgegeben von

Wilma Rapf-Karikari und Ingo Kübler

Digitale Fotografie

Wolfram Schmidt

Gesamtherstellung

KARTENHAUS KOLLEKTIV Grafische Dienste GmbH
Gedruckt auf Inapa Infinity von PAPIER UNION und Rembrandt Cedro von Papyrus mit stochastischem ­FM-Rasterverfahren

SponsorInnen

Ambulantes OP-Zentrum im CRC, Apotheke aktiv und Gefäßzentrum Regensburg
Architekturbüro Stefan Ebeling
Architekturbüro Hoppstock
Architekturbüro C. Setz
ARCHITEKTURBÜRO M2.LÖSCH
AWO-Sozialzentrum am Schlosspark, Regendorf
BCD-Elektronik GmbH
Dr. F. Böhmer & Dr. N. Rinner, Zahnärzte
J. Boellert, Landschaftsarchitekt
Buchhandlung Dombrowsky
Buchladen am alten Markt, Kelheim
ConBrio Verlag und neue musikzeitung
Creditreform Regensburg Aumüller KG
DÖMGES ARCHITEKTEN AG
eveca GmbH – Internet & Befragungen
Immobilien Wingerter GmbH
JURETZKA ARCHITEKTEN, Weiden
KARTENHAUS KOLLEKTIV Grafische Dienste GmbH
Knorr & Lorenz GmbH
KulturAgentur Alex Bolland
Kulturreferat der Stadt Amberg
Kunst inklusiv der Katholischen Jugendfürsorge
ORIENTALES & dry fruit
Pianohaus Metz
Rechtsanwälte Schlachter und Kollegen
Restaurant Leerer Beutel
Samabor Pelz + Modedesign
Ferdinand Schmack jun. GmbH
Wolfram Schmidt FOTOGRAFIE
Herbert Schwarzfischer,
Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht
Sozialteam, Lappersdorf
Rudi Woch, Versicherungsmakler – Finanzberatung

SponsorInnen ohne Ortsangabe: Regensburg